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1. Entstehung von Alkoholschäden (FASD)

 

Eine werdende Mutter:

- konsumiert eine beliebige Menge Alkohol zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Schwangerschaft.
- schädigt damit - und nicht erst bei Alkoholabhängigkeit - ihr ungeborenes Kind!

 

Alkohol:
- gelangt durch die Plazenta zum ungeborenen Kind.
- ist ein Zellgift und sorgt für eine verringerte Neubildung von Zellen und für Organveränderungen.
- stört somit die Entwicklung verschiedener Organe: u.a. Gehirn, Herz, Nieren, Augen, Ohren, Wirbelsäule.

 

Das (ungeborene) Kind:
- kann den Alkohol nur sehr langsam abbauen und ist damit einem hohen Blutalkoholspiegel noch viel länger ausgesetzt als seine Mutter.
- erleidet lebenslange Beeinträchtigungen in vielen Bereichen: u.a. Kognition, Emotion, soziale Kompetenz, Verhalten, motorische Fähigkeiten.

 

 

2. Varianten von Alkoholschäden

 

Fetale Alkoholspektrum-Störungen - FASD (fetal alcohol spectrum disorder):

- sind die häufigsten vorgeburtlichen Schädigungen (mit jährlich ungefähr 6000 neugeborenen Kindern viel häufiger als das Down-Syndrom)
- bezeichnen alkoholbedingte Einflüsse auf die Entwicklung des Embryos.
- umfassen das Fetale Alkoholsyndrom, das partielle FAS und die Neurologische Störung nach pränataler Alkoholexposition.

 

1) Fetales Alkoholsyndrom - FAS
- betrifft ungefähr 2.000 Neugeborene pro Jahr => 1 von 300 Kindern ist betroffen.
- bezeichnet das Vollbild der FASD, häufig mit Verhaltensauffälligkeiten, aber immer mit deutlichen körperlichen Anzeichen beim Kind.

- kann auch ohne bestätigte Alkoholexposition diagnostiziert werden.


2) Partielle Fetales Alkoholsyndrom - pFAS
- betrifft ungefähr 4.500 Neugeborene pro Jahr.
- bezeichnet deutliche Verhaltensauffälligkeiten mit jedoch nur schwach ausgeprägten körperlichen Anzeichen beim Kind.
- bleibt daher oft lange undiagnostiziert. Die Kinder werden meist als mutwillig, frech und herausfordernd erlebt.
- kann nur mit bestätigter Alkoholexposition diagnostiziert werden.

 

3) Neurologische Störung nach pränataler Alkoholexposition - ARND (alcohol related neurological disorder)
- bezeichnet deutliche Verhaltensauffälligkeiten ohne körperliche Anzeichen beim Kind.

- kann nur mit bestätigter Alkoholexposition diagnostiziert werden.

 

 

3. Symptome bei Alkoholschäden

 

Körperliche Besonderheiten

 

Veränderungen der Körpermaße: Minderwuchs, vermindertes Gewicht, verminderter Kopfumfang

 

Weitere Veränderungen des Körpers: Auffälligkeiten an Händen (z.B. seitlich abgewinkelte Fingerglieder), Ohren (z.B. niedrig angesetzt), Haaren (z.B. Haaraufstrich im Nacken), Fehlbildungen des Skeletts (z.B. Skoliosen)

 

Spezifische Veränderungen des Gesichts: Augen (z.B. klein, weiter Augenabstand, Augeninnenfalte), Oberlippe (z.B. schmal, darüber keine ausgeprägte Falte zur Nase und langer Abstand zur Nase), Nase (z.B. aufgeworfen, kurzer Nasenrücken), abgeflachtes Mittelgesicht und fliehendes Kinn, Mund (z.B. weite Zahnzwischenräume, hoher Gaumen)

 

Abbildung 1: Durch vorgeburtliche Alkoholexposition hervorgerufene Veränderungen des Gesichts

 

Funktionsbeeinträchtigungen folgender Organe: 

Gehirn (s.u.), Herz (z.B. angeborene Herzfehler), Nieren (z.B. urogenitale Fehlbildungen), Augen (z.B. Schielen, Visusverlust), Ohren (z.B. Schwerhörigkeit, oft als Schallleitungsstörung)

 

Besonderheiten der Hirnfunktion

Eingeschränktes Spielverhalten (z.B. keine eigenen Spielideen)

Gedächtnisprobleme (z.B. weiß etwas montags aber nicht donnerstags)

Impulsivität (z.B. geringe Frustrationstoleranz und Neigung zu Wutanfällen)

Hyperaktivität (z.B. übermäßig gesteigerter Bewegungsdrang)

Kommunikations- und Sprachprobleme (z.B. spricht exzessiv, ist aber unfähig ein bedeutungshaltiges Gespräch zu führen)

Langsame auditive und kognitive Verarbeitung (z.B. später Spracherwerb, oft erst mit 4 Jahren)

Beeinträchtigte Urteilsfähigkeit (z.B. leichtgläubig, verleitbar, werden oft ausgenutzt)

Unreife (z.B. spielt gerne mit jüngeren Kindern, oder wird von älteren Kindern bemuttert)

Abstraktions- und Generalisierungsprobleme (z.B. kann gelernte Regeln nicht in neuen Situationen anwenden)

Strukturen (z.B. Schwierigkeiten, sich auf einen Wechsel von Rahmenbedingungen einzulassen)

Störung der sensorischen Integration (z.B. Überreaktion auf äußere Reize mit heruntergesetzter Eigenwahrnehmung)

 

 

 

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